Nachhaltige Transformation gelingt nicht durch Weisungsbefugnis allein. Sie erfordert die Fähigkeit, Menschen einzubinden, Vertrauen aufzubauen und Veränderungen in der gesamten Organisation anzustoßen.
Bei Nachhaltigkeit geht es um Menschen – nicht nur um Strategie
Viele Nachhaltigkeitsmanager stehen vor derselben Herausforderung: Sie sollen Veränderungen in der gesamten Organisation vorantreiben, ohne den Menschen gegenüber weisungsbefugt zu sein, die sie umsetzen. Sie können Strategien definieren, Ziele setzen und Initiativen koordinieren. Dauerhafter Fortschritt entsteht jedoch erst, wenn Mitarbeitende, Führungskräfte und Abteilungen Nachhaltigkeit aktiv in ihren Arbeitsalltag integrieren.
Eine der wichtigsten Aufgaben von Nachhaltigkeitsmanagern besteht deshalb nicht nur darin, Nachhaltigkeit zu steuern, sondern vor allem darin, Menschen dafür zu gewinnen. Transformation entsteht selten auf Anweisung. Sie entsteht, wenn Menschen den Sinn verstehen, den Wert erkennen und sich bewusst einbringen. Was also braucht es, um dieses Engagement aufzubauen?
Empathie: verstehen, was andere antreibt
Jede Abteilung arbeitet mit anderen Prioritäten, Zielen und Rahmenbedingungen. Der Finanzbereich konzentriert sich vielleicht auf Risikomanagement und Profitabilität, der Betrieb auf Effizienz und Produktivität. Im Marketing stehen Reputation und Kundenerwartungen im Mittelpunkt, im Personalbereich Talente und Unternehmenskultur.
Wer andere für Nachhaltigkeitsinitiativen gewinnen will, muss zunächst verstehen, was ihnen wirklich wichtig ist. Empathie hilft Nachhaltigkeitsmanagern, gemeinsame Interessen zu erkennen, tragfähige Beziehungen aufzubauen und Gespräche so zu führen, dass sie unterschiedliche Stakeholder erreichen. Menschen bringen sich eher ein, wenn sie sich verstanden fühlen.
Nachhaltigkeit in die Sprache des Unternehmens übersetzen
Eine der größten Hürden für Beteiligung ist die Kommunikation. Zu oft wird Nachhaltigkeit mithilfe von Fachbegriffen, regulatorischen Anforderungen oder ESG-Jargon erklärt und wirkt dadurch von der täglichen Geschäftsrealität losgelöst. Erfolgreiche Nachhaltigkeitsmanager übersetzen Nachhaltigkeit in eine Sprache, die für die jeweilige Zielgruppe relevant ist. Zum Beispiel:
- Für den Finanzbereich stehen Risikominderung und langfristige Wertschöpfung im Vordergrund.
- Im operativen Bereich zählen Effizienzgewinne und Ressourcenoptimierung.
- Im Marketing geht es um Markenreputation und Kundenerwartungen.
- Führungsteams richten ihren Blick auf Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und strategisches Wachstum.
Je besser die Botschaft zur jeweiligen Zielgruppe passt, desto größer ist die Bereitschaft, sich einzubringen.
Nachhaltigkeit mit bestehenden Prioritäten verbinden
Nachhaltigkeitsinitiativen geraten oft ins Stocken, wenn sie als zusätzliche Arbeit wahrgenommen werden. Statt eine separate Nachhaltigkeitsagenda zu schaffen, zeigen wirksame Nachhaltigkeitsmanager, wie Nachhaltigkeit die Ziele unterstützt, die Teams ohnehin verfolgen.
Ob es um Kostensenkung, bessere operative Leistung, stärkere Stakeholder-Beziehungen oder Risikomanagement geht: Nachhaltigkeit kann Abteilungen dabei helfen, ihre bestehenden Ziele zu erreichen. Wird sie Teil alltäglicher Entscheidungen statt einer zusätzlichen Pflicht, fällt die Umsetzung deutlich leichter.
Storytelling nutzen, um Nachhaltigkeit greifbar zu machen
Daten und Kennzahlen sind unverzichtbar, regen aber nicht immer zum Handeln an. Geschichten übersetzen komplexe Konzepte in anschauliche Beispiele, die Menschen verstehen und sich merken. Eine überzeugende Geschichte vermittelt die Wirkung von Nachhaltigkeit häufig besser als eine lange, zahlenlastige Präsentation.
Praxisbeispiele, Erfolgsgeschichten und Erfahrungen helfen Mitarbeitenden zu verstehen, wie Nachhaltigkeit Wert schafft und warum ihr Beitrag zählt. Geschichten bleiben im Gedächtnis, lange nachdem einzelne Zahlen vergessen sind.
Mit gutem Beispiel vorangehen
Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Worte allein. Menschen unterstützen Nachhaltigkeitsinitiativen eher, wenn sie sehen, dass den Worten Taten folgen. Mit gutem Beispiel voranzugehen heißt, aktiv an Projekten mitzuwirken, Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und Gesagtes selbst vorzuleben.
Die einflussreichsten Nachhaltigkeitsmanager fördern Wandel nicht nur – sie leben ihn vor. Vertrauen wächst, wenn Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag sichtbar wird.
Das eigentliche Ziel: gemeinsame Verantwortung
Die erfolgreichsten Nachhaltigkeitsprogramme hängen nicht von einer einzelnen Person ab. Mit zunehmender Reife wird Nachhaltigkeit abteilungsübergreifend verankert und Teil alltäglicher Entscheidungen. Der Einkauf berücksichtigt sie bei der Lieferantenauswahl. Der Betrieb integriert sie in seine Prozesse. Der Finanzbereich bewertet die damit verbundenen Risiken und Chancen. Die Führung bezieht sie in die strategische Planung ein.
Dann liegt Nachhaltigkeit nicht mehr bei einer einzelnen Person oder Abteilung, sondern wird zur gemeinsamen Verantwortung der gesamten Organisation. Genau das ist das eigentliche Ziel jedes Nachhaltigkeitsmanagers.
Nachhaltigkeit voranzutreiben bedeutet nicht, Weisungsbefugnis über andere zu haben. Es bedeutet, Menschen für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen, sie einzubinden und zu befähigen. Mit Empathie, zielgruppengerechter Kommunikation, der Verknüpfung mit Geschäftsprioritäten, Storytelling und glaubwürdigem Vorbildverhalten schaffen Nachhaltigkeitsmanager die Voraussetzungen für dauerhaften Wandel. Nachhaltige Transformation lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht gemeinsam.
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Dinah Zacher
Strategie, Priorisierung & Nachhaltigkeit
Dinah setzt Prioritäten. Sie übersetzt regulatorischen Druck in die ein bis drei Mandate, die ein Vorstand tatsächlich verantworten kann.